Die Psychologie hinter den Live Escape Games – oder wie Unternehmen sich die Gruppendynamik zunutze machen können

Live Escape Rooms machen irre viel Spaß und wer einmal auf den Geschmack gekommen ist, den zieht es immer wieder zu diesem pfiffigen Live Spiel. Aber woran liegt das eigentlich? Welche psychologischen Mechanismen stecken dahinter? Und kann man diese psychologische Komponente nutzen?
Die Psychologie hinter den Live Escape Games – oder wie Unternehmen sich die Gruppendynamik zunutze machen können

Warum faszinieren uns die Live Escape Rooms so sehr?

Führen wir uns zunächst vor Augen, wie so ein Live Spiel aussieht. Das Prinzip ist nämlich das gleiche, es variieren die Szenarien. Eine Gruppe von 2-6 Spielern (im Regelfall) wird in einen Raum eingeschlossen und muss entweder einen bestimmten Gegenstand finden oder in den meisten Fällen den Fluchtweg finden.

Wenn das nicht schon in manchen Fällen schwer genug wäre, hat man für die Lösung des Rätsels/Finden des Ausgangs normalerweise lediglich 60 Minuten Zeit.

Entstanden ist das Ganze übrigens aus den Escape Game Videospielen – die Szenarien wurden lediglich vom Bildschirm ins echte Leben verlagert.

Psychologisch gesehen spielen die Live Escape Games mit mehreren Emotionen. Zum einen ist die Tatsache allein, dass man eingesperrt ist und unter Zeitdruck einen Fluchtweg finden muss, für viele Menschen angsteinflößend und verursacht Nervenkitzel und auch ein bisschen Stress. Dies spricht sehr rudimentäre, ursprüngliche Instinkte an. Man kämpft gewissermaßen ums Leben und muss eine Lösung finden.

Zusätzlich sind Menschen neugierig, versuchen Dinge herauszufinden, Probleme zu lösen und wenn man dies schafft, vermittelt einem dieser Umstand ein Erfolgsgefühl, dass das Selbstbewusstsein steigert. Jedes gelöste Rätsel, jeder gefundenen Schlüssel oder jedes aufgespürte Geheimfach sind ein Beweis unserer Pfiffigkeit und Intelligenz. Und wer fühl sich nicht gerne erfolgreich?

Gruppendynamik – ein wichtiger Faktor bei Live Escape Games

Menschen sind soziale Wesen. Dies ist ein weiterer Faktor für die Beliebtheit der Live Version. Man muss sich nicht alleine zum Ausgang durchkämpfen, sondern tut dies in einer Gruppe. In diesem Sinne kommt es parallel zu verschiedenen Dynamiken, die übrigens sehr interessant zu beobachten sind.

Die Spiele haben immer einen Gamemaster, der das Geschehen über Videokameras und Mikrophon beobachten kann und der auch notfalls eingreifen kann. Entweder wenn die Spieler nicht mehr weiterwissen, oder wenn wirklich irgendeine gefährliche Situation eintritt. Jeder Gamemaster kann bestätigen, dass man ziemlich schnell sieht, wie gut die Gruppe im Team zusammenarbeitet, wer der Leader ist, wer lieber auf Nummer sicher geht und sich im Hintergrund hält, wer die cleversten Ideen hat, aber nicht im Mittelpunkt stehen will und vieles mehr.

Denn unter dem Zeitdruck und angesichts der Aufgabe kristallisiert sich ziemlich schnell ein Teamleader auf natürliche Weise heraus. In den seltensten Fällen ernennt die Gruppe diesen Leader, sondern dieser übernimmt die Aufgabe von selbst. Die anderen vertrauen seinen Führungsqualitäten, er (oder natürlich auch sie) vermittelt Ruhe und Übersicht, kann planen und seine Ideen verständlich machen.

Dann gibt es pfiffige Teammitglieder, die gute Ideen haben, ein schnelles Köpfchen besitzen, helfen wo es geht, aber nicht der Leader sein möchten. Statt im Mittelpunkt zu stehen oder statt echte organisatorische Verantwortung zu übernehmen, erledigen sie lieber die Arbeit (sprich sie lösen Rätsel und finden Verstecke, Schlüssel, etc.) und bevorzugen ein Low Profile Approach.

Dann gibt es Mittläufer, die praktisch die anderen die ganze Arbeit machen lassen, am Ende aber am lautesten Jubeln und sich auf die Schulterklopfen, wenn das Rätsel gelöst ist.

Dann gibt es die Schüchternen, die sich erst überhaupt nichts zutrauen, kleine graue Mäuse, die sich im Laufe des Spiels zu echten Tigern entwickeln und endlich ihr verborgenes Potential entdecken und ausnutzen. SO hat es schon so manches echte Aha-Erlebnis im Laufe eines Live Escape Games gegeben.

Übrigens sei auch nicht unerwähnt, dass es auch schon vorgekommen ist, dass sich der flammante Leader schnell als flopp herausgestellt hat, und einer der pfiffigen, oder vielleicht sogar eine grau Maus am Ende die Sache in die Hand genommen hat.

Dies Gruppendynamik fasziniert die Teilnehmer und deshalb machen die Escape Games so viel Spaß. Jeder kann mitmachen, auf seine ganz persönliche Weise. Logischerweise ist das Team umso erfolgreicher, je besser es zusammenarbeitet. Die meisten Escape Rooms sind nur als Team in der vorgegebene Zeit zu lösen - zumindest, wenn es sich um ein hochwertiges und gut konzipiertes Live Escape Game handelt.

Unternehmen machen sich die psychologischen Faktoren zu Nutze

Sieht man sich die Aspekte der Gruppendynamik an, so springt einem von selbst die Tatsache ins Auge, dass so ein Escape Game ein hervorragendes Event für Team Building ist, bzw. auch, um die Fähigkeiten und Eigenschaften der eigenen Mitarbeiter zu evaluieren.

Die Sache mit dem Teambuilding ist hinreichend bekannt und praktische alle Anbieter von Live Escape Games haben spezielle Firmenpakete.

Eine wirklich neue – und unserer Meinung nach hervorragende – Geschäftsidee ist, Live Escape Games zu nutzen, um Bewerber zu testen. Denn in dieser Situation sieht man, wie oben bereits beschrieben, ziemlich schnell, in welche Gruppe jeder Bewerber einzuordnen ist. Ist die Person ein geborener Leader, der die Aufgabe übernimmt, sein Team motiviert, von allen anerkannt und respektiert wird und das Team letztlich zum Erfolg führt? Oder ist der Bewerber eventuell ein pfiffiges Köpfchen, der gerne, kompetent und mit Schwung die Arbeit erledigt, aber kein Interesse hat im Mittelpunkt zu stehen? Oder ist der Bewerber ein Mitläufer, der andere die Arbeit erledigen lässt und sich hinterher zu Unrecht im Erfolg sonnt? Wie reagieren die Bewerber auf Stresssituationen?

Natürlich müssen in diesem Fall die Escape Games etwas abgeändert werden. So müssen die Bewerber mit Westen oder T-Shirts in unterschiedlichen Farben gekennzeichnet werden. Die Personalchefs, bzw. Mitglieder des Auswahlkomitees müssen das Geschehen gemeinsam mit dem Gamemaster im Monitoring Raum mitverfolgen können, weshalb dieser eine gewisse Größe haben muss. Das Ganze sollte möglichst auch auf Video aufgezeichnet werden, damit man hinterher besser analysieren kann.

Auch Anweisungen für einzelne Spieler sind in diesem Zusammenhang eine gute Idee, denn dann kann der Arbeitgeber beobachten, wie jemand reagiert, wenn er plötzlich im Mittelpunkt steht, oder eine bestimmte Aufgabe allein erledigen muss.

Kurz: Die Live Escape Games sind für Unternehmen nicht nur eine hübsche Variante zum beliebten Team Building, sondern können auch eine interessante Option sein, um Bewerbern auf den Zahn zu fühlen und zu sehen, wie diese mit Stress, Zeitdruck und den Tücken der Gruppendynamik fertig werden.

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